Kollaboratives Tun für zukünftige Stadträume am Designathon 2018

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Ideen für zukunftsfähige Stadträume generieren – frei übersetzt war dies Titel und zugleich Motto des Designathons 2018, der Mitte November ganze 30 Design-Teams ein Wochenende lang hirnen und kreieren liess.

Nextzürich war an einem Infostand für mehr Durchblicke («Insight Station») zu Gast – als inputgebende Experten, herausfordernde Ideenboxer oder aufmunternde Buddies.

Aus der Vielfalt der dreissig Pitches haben wir uns zudem jene Ideen näher angeschaut, welche die Bevölkerung aktivieren möchten und sie stärker mit der Stadt in Austausch bringt.

Insight Station: Technische Lösungen ganzheitlich betrachten

Am Samstag waren wir am Stand ganz Ohr, um die Teams in Sachen Stadtentwicklung zu unterstützen.

Insight Station Nextzürich
An der Insight Station von Nextzürich: Inputs und Weiterführendes (Bild: Designathon, Hanna Büker)

 

Sechs Gruppen besuchten während der fünf Stunden die Station und brachten generelle Fragen zur Stadtentwicklung mit oder wollten Inputs beziehungsweise Feedback zu ihren Ideen und Konzepten.

Wir lernten selber viel vom breiten Spektrum der Ideen: Von analogen und räumlich begrenzten Interventionen bis zu digitalen Lösungen für den Einbezug der Bevölkerung, von zeitnahen konkreten Projekten bis zu futuristischen Szenarien mit den entsprechenden Herausforderungen.

So identifizierten Teams die Quartierkioske als Treffpunkt und Ort für Kommunikation und Services für die lokale Bevölkerung. Im Geiste entstanden modulare Wohn- und Arbeitseinheiten, die auch schwimmen können (für die Zeit nach der Polschmelze, dänk) oder Gebäude, die verschwinden, wenn sie nicht gebraucht werden und damit Platz für Grünanlagen schaffen. Wir erfuhren von tragbaren Robotern, die je nach Bedarf und Situation die nötigen Räume auf- oder abbauen bis zur Etablierung einer neuen Erinnerungskultur, um weniger Platz für Friedhöfe zu verbrauchen («Die in Peace» statt «Rest in Peace»).

Engagiert für Nextzürich: Reto Burch und Tim Van Puyenbroeck
Engagiert für Nextzürich: Reto Burch und Tim Van Puyenbroeck (Bild: Designathon, Hanna Büker)

 

Wir haben uns bei unserer unterstützenden und beratenden Stand-Arbeit darauf konzentriert, die Teilnehmenden über den Stand der Forschung oder ähnliche Projekte und Literatur zu informieren und damit Hinweise zum Weiterdenken zu geben.

Uns ist aufgefallen: Viele Teams wählten primär visionäre und technische Ansätze. Unserer Meinung nach sind aber wichtige politische, soziale und sozialräumliche Konsequenzen auch zu berücksichtigen. Mit Nachfragen und Diskutieren gaben wir den Teilnehmenden Inputs, ihre Projekte umfassender zu betrachten.

Selbstgewählte Verbesserungstipps oder im Tauschgeschäft mit der Stadt?

Am Sonntag Nachmittag hatte jedes Design-Team dann 90 Sekunden, um ihre Idee vorzustellen. Spannend waren die Beobachtungen von Designer*innen, wie sie Dinge zu lösen versuchen, über die wir schon länger nachdenken.

Ein regelmässig auftretendes Motiv war: «Sich mehr mit der eigenen städtischen Umwelt zu befassen, sollte einfacher werden»

Dabei können zwei Ansätze bei den Lösungsvorschlägen unterschieden werden.

1. Aktivierung zur Verschönerung

Zwei Initiativen priesen Online-Lösungen an, um Veränderungen im Quartier auszulösen. Die Gruppe Doppeldeck (Nr. 19 der Designathon-Startauflistung) brachte z. B. eine Toolbox mit dem auffordernden Titel «Mach mal» ins Spiel. Mittels Augmented Reality kann die unmittelbare Gegend (z.B. Innenhof) mit Farbe bestrichen, mit Blumenbeeten verschönert und nervige Gegenstände entfernt werden. Gibt es genügend Stimmen der Nachbar*innen, werden Ideen umgesetzt.

Ähnlich auch die ArchiGo-App von Umani (Nr. 6). Zur Auswahl stehende oder selber hinzufügbare Objekte lassen sich in die Ansicht eines öffentlichen Ortes mittels Augmented Reality einfügen.

Und einfach zur Aktivierung von Zustimmungen (und eben keine Ablehnungen, also rein positiv) hat Happy Zurich (Nr. 29) ein einfaches Tool zum User Generating Content vorgestellt. Jede*r kann an einem bestimmten Ort für eine Lokalität oder eine Veranstaltung um Upvotes bitten.

An der Pitch-Präsentation am Designathon wurden auch einmal Personas lebendig (Bild: Designathon)
An der Pitch-Präsentation am Designathon wurden auch einmal Personas lebendig (Bild: Designathon, Hanna Büker)

 

Alle diese Tools gehen von einem Bottom up-One way-Handeln aus. Der zweite folgende Ansatz setzt zusätzlich die bisherige Top-Down-Dimension ein, das ist wenn institutionelle Akteure Einwohner*innen informieren.

2. Der gegenseitige Austausch zwischen Behörden und Bewohner*innen

In der App «Urbee» (Ähnlichkeit zum Befragungsmobil ÖRBI der Stadt Zürich wohl rein zufällig) der Gruppe Nordic Park (Nr. 21) gefällt die Benachrichtigungsfunktion «We have a new project in your area, what do you think?» Dennoch: Die aktuellen Stadtbewohnenden beginnen sich wohl eher gegen die Flut von Benachrichtigungen zu wehren, daher versanden wohl diese hilfreichen Hinweise in der Datenflut.

Am konsequentesten hat die Kommunikation in zwei Richtungen die Gruppe Juties & Mojaries (Nr. 18) berücksichtigt. Eine nicht näher identifizierte Datenbank bringt nämlich Pläne der Stadtregierenden und der Planer*innen hin zur Bevölkerung (Top-Down), die wiederum ihre Ansichten und Vorschläge zu diesen Plänen den institutionellen Playern meldet (Bottom-up).

Wir sehen das Mittel auch als sehr effektiv an, Menschen für ihre Alltagsumwelt zu aktivieren und den Planenden wertvolle Resonanz zu ihren Projekten zu bieten. Ein wunderbares Tauschgeschäft also.

-> Erfahre mehr zur Ideen-Pitch-Session. 30 Teams erklären in 90 Sekunden ihre Ideen zur Zukunft der Städte.

Fotografin Titelbild und alle anderen Bilder: Hanna Büker von Where Shadows Fall, Studio für Design, Konzeption, Keramik und Fotografie.

 

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