Wann der Dichtestress droht und wie die Verdichtung erträglicher wird

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Es kommen Leute. Sie gilt es unterzubringen und ihnen ein wohnliches Umfeld zu bieten.

Wir reden diesmal nicht von Flüchtenden, die innerhalb weniger Jahre unter den Empfängerländern verteilt werden sollen. Es sind unbekannte Personen, auch noch Ungeborene, die in den nächsten 30 Jahren nach Zürich kommen werden. Entweder lässt man die politischen Akteure wieder Hauruckübungen machen, oder man beginnt jetzt mit der Planung.

Wissen ist bereits da,

  • wie Leute Dichte ertragen oder eben nicht
  • wie Veränderungsprozesse laufen und wie sie unterstützt werden können

Am 23. März gab Alice Hollenstein, Expertin in Urban Psychology und Kursleiterin am Center for Urban & Real Estate Management (CUREM) einen Überblick über den Erkenntnisstand zu diesen beiden Phänomen.

Dichte ertragen

Ob wir mit einer bevölkerten Bar oder einem vollen Tram umgehen können, wird beeinflusst von

  • individuellen Faktoren
  • Eigenschaften der Mitmenschen
  • Umweltbedingungen

Am stärksten beeinflussen unsere Eigenschaften, ob wir Dichtestress wahrnehmen. Darunter z.B. kulturelle Gewohnheiten (in Japan ist dicht zu stehen weniger problematisch), gesellige Orientierung (hilft dagegen) oder ob ich das Gefühl habe, die Situation kontrollieren zu können (bei fehlender Wirksamkeitswahrnehmung droht grosser Stress).

Wie sich die Mitmenschen verhalten und die Umwelt wirken dann zusätzlich auf unser Stressempfinden ein.

Neben den relativ fixen menschlichen Faktoren, können höchstens die Umweltbedingungen kurzfristig angepasst werden. Fenster werden geöffnet, die Hitze reduziert oder zusätzlicher Freiraum geschaffen. Über Zeit- und Raummanagement kann jeder Einzelne sich vor (dichte-)stressigen Situationen wappnen.

(Wer sich mehr dafür interessiert, hier das Buch dazu: Umweltpsychologie, Hellbrück und Kals, 2012)

Alice Hollenstein zur Crowding-Forschung
Alice Hollenstein erklärt die erträglich machenden oder verschlimmernden Faktoren, wie Dichte empfunden wird.

 

Die genannten Faktoren sagen aber nur etwas darüber aus, unter welchen Bedingungen wir eher dazu neigen, Dichtestress zu empfinden.

Wichtig: Dichtestress ist insgesamt weniger eine Frage des absoluten Masses, sondern tritt besonders in Phasen der Verdichtung auf.

Menschen neigen grundsätzlich dazu, Veränderungen gegenüber skeptisch zu sein. Wie können nun Prognosen über die Bevölkerungszunahme besser akzeptiert werden? Das Change Management steuert dazu interessante Erkenntnisse bei.

Den Wandel zu einer verdichteten Lebensform schaffen

Durch Wandel verlieren wir den Status Quo, was uns Angst macht. Immerhin: Wenn wir mitbestimmen, werden wir nicht einfach automatisch von den Auswirkungen beeinflusst, sondern können positive Effekte anstreben.

Wie können nun aus psychologischer Sicht verdichtete Räume geschaffen werden?

Indem die Leute einen Gewinn daraus haben. Alice Hollenstein zitierte aus einer Studie des Kanton Zürichs von 2014, dass bei folgenden Bedingungen eine wohlwollendere Haltung gegenüber einem verdichteten Wohnen eingenommen wird:

  • Tiefere Wohnkosten
  • Weniger Lärm (mehr über Lärmkonflikte in der Stadt)
  • Bessere Anbindung an den ÖV oder bessere Einkaufsmöglichkeiten. (Dieser Effekt ist vor allem auf dem Land zu beobachten)

Die verdichtete Form des Zusammenlebens wird eine neue Situation sein. Bis dahin wird eine wahrnehmbare Entwicklung stattfinden. Aus der Psychologie weiss man allerdings, dass die Akzeptanz von Wandel begünstigt wird, wenn

  • Einverständnis über das Problem herrscht
  • das Gefühl besteht, dass die Lösungsidee von einem selbst kommt
  • alternative Lösungen für allfällige Nachteile erkannt und angeboten werden
  • der Wandel positive Veränderungen mit sich bringt (siehe oben in der Dichtestudie)

Es betrifft alle gesellschaftlichen Akteure, hier ihren Teil beizusteuern.

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