Über Freiräume, Landschaftsarchitektur und den Sinn von Wettbewerben

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In der 4. Runde unserer Serie «Ganz viel Platz» stellte der Landschaftsarchitekt Roland Raderschall anhand von drei ganz unterschiedlichen Projekten vor, wie öffentliche Freiräume geplant werden können. Die Beteiligung der Bevölkerung könne dabei einen Beitrag leisten, dass Projekte an Qualität gewinnen.

Von Altstetterplatz bis MFO-Park

Roland Raderschall vom Büro raderschallpartner AG stellte uns drei verschiedene Projekte vor, an denen sein Büro beteiligt war.

Bei der Umgestaltung des Altstetterplatz wurde der Platz vom Verkehr befreit. Damit können nun umsteigende Personen den Platz einfacher überqueren. Zudem finden sie Witterungsschutz unter der Dachkonstruktion der Bushaltestelle, welche gleichzeitig den Platz räumlich abschliesst.

Roland Raderschall
Roland Raderschall

 

Der neu geschaffene MFO-Park in Neu-Oerlikon dient vorwiegend dem Aufenthalt, ohne bestimmte Nutzungen anzudenken. Der Park war schnell so erfolgreich, dass sich die angrenzende Bewohnerschaft durch den Lärm der vielen Besucher gestört fühlte. Wie dieser Konflikt gelöst werden konnte, findet ihr Näheres im Beitrag zum Besuch von Alexandra Heeb.

Claramatte in Basel

Ein weiteres Projekt bildet die Umgestaltung der Claramatte. Ursprünglich war diese eine Parkanlage nach Vorbild eines englischen Squares mit einer Kiesfläche sowie Bäumen im Zentrum und dichterer Bepflanzung an den Rändern. Dem vielseitig nutzbaren Platz – in einem degradierten Originalzustand – wurden über die Jahre Flächen abgetrennt, sei es für Parkplätze oder für einen eingezäunten Kinderspielplatz. Dennoch wurde die Claramatte bei Familien und Kindern unbeliebt, da der Ort zunehmend von sozialen Randgruppen aufgesucht wurde. Die Aufhebung der Parkplätze bildete Anlass für einen Wettbewerb zur Umgestaltung der Claramatte.

Nach dem Wettbewerb fängt die Arbeit an

Nach gewonnenem Wettbewerb entwickelten raderschallpartner die Pläne mit Vertreter*innen des Quartiers weiter. Dadurch konnten für konkrete Bedürfnisse der Bevölkerung entsprechende Flächen bereitgestellt werden. Rückblickend sagt Roland Raderschall, dass dieser Prozess aufwändig, aber wichtig für den Erfolg der Umgestaltung war. Heute bildet die Claramatte nämlich Raum für jede Person, unabhängig von Alter, sozialem Status oder Herkunft.

Projektion Projekt Claramatte, Basel
Wettbewerbsprojekt von raderschallpartner AG für die Claramatte, Basel

Wettbewerb für die Nutzer?

Die öffentliche Hand ist verpflichtet, Wettbewerbe zu veranstalten, um öffentliche Freiräume zu planen. Diese Konkurrenzverfahren sichern die hohe Qualität dieser neuen Anlagen. Allerdings besteht zuweilen auch die Gefahr, dass dieses Entwerfen in Konkurrenz zu «überdesignten, grafischen» Lösungen führt. Um dies zu vermeiden sind unabhängige und kritische Juroren gefragt, wie auch die Meinung der Nutzer (-vertreterinnen). Manchmal ist die einfachere Lösung langfristig robuster als der «tolle Wurf».

Partizipation ja, aber wie?

Wie man die Bevölkerung richtig beteiligt, konnte aber an diesem Abend nicht abschliessend beantwortet werden. Eine Diskussionsteilnehmerin fragte, ob es nicht vorteilhaft wäre, verschiedene Vorschläge als Modell auszustellen und Personen vor Ort nach ihrer Präferenz zu fragen. Ein repräsentatives, allgemeingültiges Feedback zu erhalten, sei dadurch schwierig, bemerkte Roland Raderschall dazu. Auch ändere sich die Nutzerschaft und heutige Wünsche können morgen schon überholt sein. Ziel müsse es bleiben, einen robusten Ort zu schaffen, der auch einer heute noch unbekannten zukünftigen Nutzerschaft Platz bietet.

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